26.01.2014

Internationale Begegnungen im Märkischen Viertel - wenn aus Fremden Freunde werden

Im vergangenen Sommer begrüßte das Kinder-, Jugend-, und Familienzentrum comX gleich zwei Jugendgruppen aus fernen Ländern: Gäste aus der Türkei/Kizkalesi wurden vom 01.-12.07. herzlich in Empfang genommen und junge Erwachsene aus Israel in der Nähe von Haifa durften vom 26.08.-02.09. an der Berliner Luft schnuppern. Durch die internationalen Begegnungen sollten Jugendliche aus dem Märkischen Viertel als Gastgeber mit ihren Besuchern Kontakte knüpfen, Interessen austauschen, Kultur erfahren und eine unvergessliche Zeit erleben. Am Ende der diesjährigen Begegnungen stand eines ganz groß: Freundschaft.

Hadi Hadi Hadi – zu Deutsch: Auf geht’s! Ein Wort, das während der deutsch-türkischen Begegnung ziemlich schnell in den täglichen Sprachgebrauch der deutschen Teilnehmer und Teilnehmerinnen gelangte. Denn während des erlebnisreichen Programms quer durch Berlin kannten Gäste und Gastgeber keine Müdigkeit: Besichtigung des Pergamonmuseums, politische Diskussionsrunden im ADD e.V., Stadtspaziergänge durch Mitte und Kreuzberg, Planschen auf dem Badeschiff, mit den Streetmobilen durchs Märkische Viertel düsen, Segeln auf dem Tegeler See - um nur die Highlights der tollen Erlebnisse aufzuzählen. Nach einem anstrengenden Tag war dies natürlich noch nicht das Ende: im Gästehaus Göritz in Hermsdorf wurde gemeinsam gekocht, gegrillt, getanzt, gefeiert, türkischer Kaffee getrunken, auch mal entspannt und ganz viel miteinander gelacht. Wer hätte gedacht, dass trotz der weiten Entfernung zwischen Berlin und Kizkalesi der Humor derselbe ist? Und das obwohl die Jugendlichen nicht die gleiche Sprache sprechen? Natürlich stellen die anfänglichen Unsicherheiten nach dem ersten Kennenlernen und die unterschiedlichen Erwartungen an eine andere Kultur zunächst eine Herausforderung dar, nicht nur für die Jugendlichen, sondern auch für die Leitungspersonen, die bereits seit 2004 Erfahrung mit internationalen Begegnungen zwischen den beiden Städten haben. Doch warum sich nicht auf etwas Neues einlassen?

Das dachten sich auch die jungen Menschen der deutsch-israelischen Begegnung. Umrahmt von einem ähnlich umfangreichen Programm in Kooperation mit dem Haus der Jugend Fuchsbau als Übernachtungsstätte und unter besonderer Fürsorge von Irene Scheffel, Mitarbeiterin im Fuchsbau, sowie mit dem Bezirksamt Reinickendorf fand ein reger Austausch unter den Jugendlichen statt. Dem Bezirksamt Reinickendorf lag diese Begegnung besonders am Herzen. Herr Zemke, ehemaliger Direktor beim Bezirksamt Reinickendorf hielt die internationalen Fäden in der Hand.

Erste Annäherungsversuche auf einer gemeinsamen Rundfahrt durch die Großstadt: Im Bus gab es genug Zeit zum Reden, Fragen zu stellen und hin und wieder einen Scherz zu machen. Am abendlichen Willkommensfest im Fuchsbau prägten sich dank Bewegungsspielchen allmählich die Namen ein. Sogenannte Sprachanimationen erleichterten spielerisch das Erlernen von Wörtern in der Fremdsprache. Erste Gemeinsamkeiten wurden entdeckt: eine spielende Gitarre regte alle zum Singen an. Ebenso gerne wurde am Shabbat, zu dem der Bürgermeister von Reinickendorf,Frank Balzer, einlud nicht nur gesungen, sondern auch getanzt und gefeiert: nach einem guten Essen war die tolle Stimmung unabdingbar. Erholsame Unterhaltung fanden die jungen Erwachsenen als Zuschauer während der bunt-glamourösen Revue im Friedrichstadtpalast. Ergreifend war der Besuch des Gleis 17 zum Gedenken an die Opfer der jüdischen Deportationen im Dritten Reich wurde aus persönlichem Interesse einiger Teilnehmer eine Zeremonie durchgeführt, wobei der plötzlich einsetzende Regen bei allen eine Gänsehaut auslöst. Ein Moment des Beisammenseins, des Mitfühlens.

Wie bereits die Gäste aus der Türkei bekamen die Jugendlichen aus Israel die Möglichkeit einen eigenen Radiojingle aufzunehmen sowie Tonstudio und Radio des comX für sich zu entdecken. Besichtigungen des Rathaus Reinickendorf mit Führung durch die Geschichte des Bezirks luden die internationalen Jugendgruppen ein, seine demokratischen Strukturen kennenzulernen. Durch die besondere Unterstützung durch den Stadtrat für Jugend, Familie und Soziales Herrn Höhne sowie durch die Amtsleitung Frau Desens während der zwei Begegnungen wurde der hohe Stellenwert des interkulturellen Austausches unter den Jugendlichen hervorgehoben.

Zwar ließen sich die diesjährigen Begegnungen kaum miteinander vergleichen, da jeder einzelne Teilnehmer seine ganz persönliche Note in all die gemeinsamen Erlebnisse und Erfahrungen eingebracht hat. Jedoch ist sicher, dass trotz unterschiedlicher Kultur, großer Entfernung und fremder Sprache die Menschlichkeit im Vordergrund steht. Aus Unbekannten wurden einzigartige Persönlichkeiten mit viel Herz. Ein wichtiges Anliegen des comX ist es, über die bereits erlebte Zeit hinauszugehen, die Kontakte weiter auszubauen und mehr Jugendliche zum Dabeisein und Miterleben anzuregen.

 

Lis Tanja Finke studiert Soziale Arbeit und ist nebenbei im comX Kinder-, Jugend- und Familienzentrum als freie Mitarbeiterin tätig